Würzfleisch Rezept DDR – Der Ost-Klassiker aus der HO-Gaststätte

Würzfleisch gehört zu den unverwechselbaren Aromen der DDR-Küche. Als kleine Portion Fleischragout in ofenfesten Gratinförmchen mit Käse überbacken, war es in der DDR die klassische Vorspeise, die in fast jedem Restaurant auf dem Tisch stand. Heute wird es von vielen im Osten noch genauso gern als nostalgisches Hauptgericht mit Toastbrot serviert. Das Rezept lebt von einer sämigen hellen Sauce, zart gewürfeltem Fleisch und dem leicht säuerlichen Abgang durch Zitrone und Worcestersauce.

Herkunft und Identität

Würzfleisch ist in der ehemaligen DDR unter verschiedenen Namen bekannt.

  • Als Kind des Ostens wurde es dort als Vorspeise oder kleines Hauptgericht beim Gaststättenbesuch bestellt.
  • In der Fachsprache wird es auch als Ragout Fin bezeichnet.
  • In den HO-Gaststätten war es Standard und wurde dort in kleinen Portionen serviert.

Die Portionsform ist charakteristisch. Die Förmchen sind so groß, dass sie einer Portion entsprechen. Zum Würzfleisch wird ganz klassisch Toastbrot gereicht. Außerdem ziert eine Zitronenscheibe den Unterteller und es wird Worcestersauce zum Nachwürzen bereitgestellt.

Fleischwahl und Grundprinzip

Die Grundlage ist ein Fleischragout, das leicht säuerlich gewürzt und in kleinen ofenfesten Gratinförmchen mit Käse überbacken wird.

Traditionell verwendete man in der DDR Geflügel- oder Kalbfleisch. Zu Zeiten der DDR wurde teilweise auch auf Schweinefleisch zurückgegriffen. Ragout fin wird aus Kalbfleisch gemacht, das es in der DDR nur sehr selten gab. Daher griff man auf Huhn oder Schwein zurück.

Für ein feines Würzfleisch verwendest du am besten Geflügel- oder Kalbfleisch. Für das Familienrezept wird Schweinefleisch aus der Schulter oder dem Rücken verwendet, weil es mager und trotzdem zart wird. Auch Nacken wird genutzt. Huhn wäre eine Alternative.

Würzfleisch – wie in der DDR | nach Omas Rezept wird mit 1,2 kg Schweinefleisch, Schulter oder Nacken gekocht.

Das Fleisch wird in kräftiger Brühe gegart, abgekühlt und in kleine, feine Würfel geschnitten. Die Brühe wird nicht weggeschüttet.

Gewürze und Aromen für den Sud

Der Sud für das Fleisch ist entscheidend.

  • Zwiebel
  • Lorbeerblatt
  • Piment
  • Salz
  • Pfeffer

In einem Familienrezept kommen zusätzlich Nelke in den Sud für das Fleisch.

Zutaten im Überblick

Die Rezeptvarianten unterscheiden sich in Menge und Details, das Grundgerüst bleibt gleich.

Zutaten nach klassischer Bauernzeitung-Variante

  • Schweinefleisch, saftige Schulter oder Nacken
  • Zwiebel
  • Lorbeerblatt
  • Piment
  • Salz
  • Pfeffer
  • Butter
  • Mehl
  • Brühe vom Garen
  • Worcestersauce
  • Saft einer halben Zitrone
  • Weißwein
  • Geriebener Käse

Zutaten nach Krups DDR-Würzfleisch für 8 Personen

  • 1 Zwiebel
  • 700 g Fleisch, Geflügel, Schwein oder Kalb, kleine Würfel
  • 1 l Wasser
  • 2 Würfel Fleischbrühe
  • 1.5 EL Worcester-Sauce
  • 80 g Mehl
  • 40 g Butter
  • 700 g Fleischbrühe
  • 25 g Zitronensaft
  • 100 ml Weißwein
  • 200 g ger. Gouda

Zutaten nach Familienrezept Oma

  • 1,2 kg Schweinefleisch, Schulter oder Nacken
  • 1 Zwiebel
  • 3 Lorbeerblätter
  • 5 Pimentkörner
  • 2 Nelken
  • 80 g Butter
  • 80 g Mehl
  • Salz
  • 1 Zitrone
  • 250 g Geriebener Käse
  • Worcestersauce
  • Weißbrot oder Toastbrot

Die wichtigsten Zutaten für das DDR Würzfleisch nach Familienüberlieferung sind Schweinefleisch, Gewürze wie Zwiebel, Lorbeerblatt, Piment und Nelke, und keine zusätzlichen Gemüse.

Zubereitung Schritt für Schritt

Das Rezept gliedert sich in vier klassische Arbeitsschritte.

Fleisch garen

Das Schweinefleisch am besten eignen sich saftige Schulter oder Nacken in einer kräftigen Brühe zusammen mit einer Zwiebel, Lorbeerblatt, Piment, Salz und Pfeffer ca. 30 Minuten kochen. Sobald das Fleisch gar ist, herausnehmen, abkühlen lassen und in kleine, feine Würfel schneiden. Die Brühe nicht wegschütten.

Koche es weich und schneide es dann in kleine Würfel.

In der Krups-Variante wird Zwiebel im Mixtopf zerkleinern. Dann Fleisch, 1 Liter Wasser, 2 Würfel Fleischbrühe, Worcester-Sauce hinzufügen und garen. Fleisch abgießen, entstandene Fleischbrühe auffangen.

Helle Sauce ansetzen

Für die sämige Sauce Butter in einer Pfanne erhitzen, Mehl einstreuen und beides gut miteinander vermengen. Das ist die klassische Mehlschwitze.

Anschließend unter ständigem Rühren mit der beiseitegestellten Brühe aufgießen, bis eine schön dickliche Sauce entsteht.

Schmelze die Butter in einem mittelgroßen Topf und dünste die Zwiebelwürfel und Champignons darin an. Gib das Mehl hinzu, röste es unter Rühren goldgelb und gieße dann die Hühnerbrühe, Fleischsud zu. Lasse die Sauce unter Rühren aufkochen, würze sie mit Salz und Zitronensaft und hebe dann das Fleisch unter.

Mehlschwitze herstellen ist Schritt 4 der Krups-Anleitung.

Abschmecken und Zusammenführen

Die Sauce mit einem kräftigen Schuss Worcestersauce, dem Saft einer halben Zitrone, einem Schluck Weißwein sowie Salz und Pfeffer abschmecken. Die Fleischwürfel hineingeben und alles gut durchziehen lassen.

Restliche Zutaten hinzufügen und aufkochen lassen. Fleisch hinzufügen und mit dem Spatel unterrühren.

Die Sauce ist leicht säuerlich gewürzt.

Überbacken

Das fertige Würzfleisch in kleine, feuerfeste Förmchen füllen und großzügig mit geriebenem Käse bestreuen.

Verteile das Ragout auf kleine ofenfeste Förmchen, bestreue sie mit Käse und überbacke sie im auf 220°C Ober- und Unterhitze vorgeheizten Ofen, bis der Käse Farbe bekommt.

Alles in 8 feuerfeste Förmchen geben, mit dem Käse bestreuen. Für 10 Minuten bei 220 Grad im Ofen überbacken.

Serviere das Würzfleisch im Förmchen, das du auf einen Teller stellst.

Servieren und Klassische Begleitung

Die klassische Servierweise ist unverändert.

  • Toastbrot oder Weißbrot wird gereicht.
  • Eine Zitronenscheibe ziert den Unterteller.
  • Worcestersauce wird zum Nachwürzen bereitgestellt.

Im Kühlschrank hält es sich locker für 3-4 Tage.

So muss das aussehen! Mit Toastbrot, Worcestersauce und Zitrone.

Unterschiede zwischen Würzfleisch und Ragout Fin

Die Begriffe werden oft vermischt, in der DDR-Küche gibt es eine klare Abgrenzung.

  • Ragout fin wird aus Kalbfleisch gemacht.
  • In ein DDR Würzfleisch kommen keine Pilze, keine Spargelköpfe und für viele auch keine Kapern.

Über Letztere würde ich mit mir reden lassen, aber bei Pilzen hört der Spaß auf. Ragout fin wird aus Kalbfleisch gemacht, das gab es in der DDR nur sehr selten. Daher griff man auf Huhn oder Schwein zurück.

Hinter Würzfleisch, das auch als Ragout Fin bekannt ist, verbirgt sich eine kleine Portion Fleischragout, die leicht säuerlich gewürzt und in kleinen ofenfesten Gratinförmchen mit Käse überbacken wird.

Die eigene Familie nahm immer Schweinefleisch.

Variationen und Anpassungen

Es gibt auch heute noch gutbürgerliche Restaurants in der alten Heimat, die das Würzfleisch als Vorspeise servieren. Auch wenn es eine klassische Vorspeise in der DDR war, wird es mittlerweile gerne als Hauptgericht gemacht. Dann wird etwas Reis dazu serviert, aber die klassische Scheibe Toastbrot bleibt.

Eine hübsche, nicht ganz klassische Variante ist es, das Ragout Fin in Blätterteigpasteten zu backen. Die können dann direkt mit gegessen werden und ersparen Abwasch.

Pilze können ergänzt werden. Du kannst das Ragout Fin gern um Champignons erweitern. In einem Familienrezept kommt kein Gemüse. Pilze gab es damals selten und als Kind war man froh, diese nicht heraussuchen zu müssen.

Zeitbedarf und Planung

Die Gesamtzeit variiert nach Variante.

Quelle Gesamtzeit Zubereitung Backen Abkühlen
Krups DDR-Würzfleisch 1 Std. 18 Min. 30 Min. 0 Min. 48 Min.

Das Abkühlen des Fleisches vor dem Würfeln ist wichtig für die saubere Form.

Tipps für Gelingen

  • Für das Fleisch wird am besten saftige Schulter oder Nacken verwendet. Schulter oder Rücken wird mager und zart.
  • Die Brühe vom Garen unbedingt auffangen. Sie bildet die Basis der Sauce.
  • Mehlschwitze gleichmäßig anrühren, damit keine Klumpen entstehen.
  • Sauce erst dicklich werden lassen, dann abschmecken mit Worcestersauce, Zitrone und Weißwein.
  • Käse großzügig verwenden, damit eine geschmolzene Kruste entsteht.
  • Kleine feuerfeste Förmchen nutzen, damit die Portion stimmt.

Fazit

Würzfleisch ist mehr als ein einfaches Ragout. Es ist ein Stück DDR-Gastronomie, das bis heute in gutbürgerlichen Restaurants als Vorspeise lebt und in vielen Familien als Hauptgericht auf den Tisch kommt. Der Reiz liegt in der Kombination aus zartem, in Brühe gegartem Fleisch, einer sämigen hellen Mehlschwitze, die mit Worcestersauce, Zitrone und Weißwein leicht säuerlich abrundet wird, und der knusprigen Käsekruste aus dem Ofen.

Die Zubereitung verlangt Geduld beim Garen und Abkühlen des Fleisches, sauberes Arbeiten bei der Sauce und Präzision beim Würzen. Wer die klassische Servierweise mit Toastbrot, Zitronenscheibe und extra Worcestersauce beibehält, kommt dem Original aus der HO-Gaststätte sehr nah. Die Unterschiede zu Ragout Fin sind in der Praxis vor allem die Fleischwahl und die bewusste Vermeidung von Pilzen und Kapern. So bleibt Würzfleisch ein authentischer, satter und leicht säuerlicher Ost-Klassiker, der Generationen verbindet.

Quellen

  1. Bauernzeitung
  2. Familienkost
  3. Krups
  4. Malteskitchen

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