Ikarimi Lachs und gebeizter Lachs: Sternekoch-Rezepte von Tim Raue für die Küche zu Hause

Die französische Küche, insbesondere die Brasserie-Küche, steht für genussvolle Eleganz und zugängliche Meisterwerke. In diesem Kontext präsentieren die zur Verfügung gestellten Quellen zwei herausragende Rezepte des Berliner Sternechefs Tim Raue, die sowohl durch ihre Geschmacksprofile als auch durch ihre handwerkliche Präzision überzeugen. Der Fokus liegt dabei auf zwei verschiedenen Zubereitungsarten von Lachs: dem sous-vide gegarten Ikarimi Lachs mit einer komplexen Tomaten-Komposition und dem klassisch gebeizten Lachs mit einer herzhaften Kapern-Speck-Vinaigrette. Beide Gerichte illustrieren das Prinzip der Brasserie-Küche, hochwertige Rohstoffe durch klare Techniken und ausgewogene Aromen zu veredeln.

Die folgende Analyse beleuchtet die kulinarischen Konzepte, technischen Anforderungen und die wissenschaftliche Basis hinter den Zubereitungsmethoden, wie sie in den vorliegenden Materialien beschrieben werden. Dabei wird die Reihenfolge der Darstellung nicht durch die chronologische Abfolge der Quellen, sondern durch die Logik des Kochprozesses bestimmt.

Die Wissenschaft der Tomatenveredelung: Clarification und Gelee

Das Rezept für den Ikarimi Lachs basiert auf einer raffinierten Verarbeitung von Tomaten, die über die bloße Sauce hinausgeht. Die Techniken, die hier angewendet werden, sind Grundlagen der modernen Gastronomie, die auch für ambitionierte Hobbyköche zugänglich sind.

Tomatenklärung und -sud

Ein zentrales Element ist die Herstellung eines klaren Tomatensuds. Das Verfahren, ein Tomatenpüree über Nacht in einem Tuch abzuhängen, ist eine Form der mechanischen Trennung, oft als "Tuchen" oder "Durchschlagen" bezeichnet. Ziel ist es, die festen Bestandteile (Satz) vom flüssigen Sud zu trennen. Der Sud behält die leuchtende Farbe und den frischen Geschmack der Tomaten, verliert aber die Konsistenz, die durch Pektine und Fasern entsteht.

Die Erwähnung, den Sud mit Xanthan leicht zu binden, ist ein Hinweis auf die Stabilisierung von Flüssigkeiten. Xanthan ist ein Polysaccharid, das in der Molekularküche und modernen Sauce-Kunst eingesetzt wird, um Viskosität zu erhöhen, ohne die Transparenz zu trüben oder Hitze zu benötigen. Es sorgt dafür, dass die Sauce beim Anrichten besser auf dem Teller haftet und nicht sofort wie Wasser verläuft. Die Zugabe von Reisessig, Cornish Sea Salt und Zucker dient der Feinabstimmung des Geschmacksprofils: Der Essig sorgt für Säure, das Salz für Mineralität (Cornish Sea Salt ist bekannt für seine sauberen Salznoten) und der Zucker für die Rundung der Säure der Tomaten.

Das Prinzip der Tomatenperlen

Die Herstellung von Tomatenperlen ist ein klassisches Beispiel für die Kugelbildung (Sphärisierung). Die Basis bildet eine glatte Creme aus Tomatenpüree und weiteren Zutaten (Quellen nennen "Alle Zutaten mischen"), die in kleine Silikonformen gefüllt und tiefgekühlt wird. Das Einfrieren ist hier entscheidend, da es dem Inhalt eine feste Struktur gibt, die das anschließende Tauchen in das Geleebad übersteht.

Das Geleemantel wird aus dem zuvor gewonnenen Tomatensud und Gelatine hergestellt. Gelatine ist ein Geliermittel tierischen Ursprungs, das beim Abkühlen fest wird. Indem die gefrorenen Tomatenperlen in dieses heiße Geleebad getaucht werden, bildet sich augenblicklich eine dünne Schicht um den Kern. Das mehrfache Tauchen (laut Rezept "mehrmals kurz") vergrößert die Schale, bis die gewünschte Stabilität erreicht ist. Das Ergebnis ist eine Kugel, die bei Druck aufplatzt und flüssigen Tomatensaft freisetzt – ein sensorisches Erlebnis, das mit der traditionellen Sauce konkurriert.

Estragoncreme und Aromenbalance

Die Begleitung zum Lachs ist eine Estragoncreme. Das Rezept nutzt eine Mischung aus Kokospüree und Speisestärke. Das Blanchieren und Abschrecken von Estragon ist eine gängige Methode, um die dunkle Oxidationsfarbe zu erhalten und das Aroma zu fixieren ("Schockieren" in kaltem Wasser stoppt Enzymprozesse). Die Kombination von Estragon mit Kokos ist ungewöhnlich, aber in der modernen Fusion-Küche denkbar, wobei das Kokospüree (vermutlich reduziert) eine cremige Basis ohne Sahne liefert. Die Würze mit Grünem Tabasco und Grüner Chillisauce unterstreicht die pfeffrige Note des Estragons.

Sous-Vide Garmethode: Der Ikarimi Lachs

Der Begriff "Ikarimi Lachs" bezieht sich vermutlich auf eine spezifische Sorte oder Zubereitungsform, wobei der Kontext (FusionChef.de) auf eine exakte Garung hindeutet. Sous-vide bedeutet "im Vakuum". Bei dieser Methode wird das Lebensmittel in einem hitzebeständigen Beutel luftdicht versiegelt und in einem Wasserbad bei exakt kontrollierter, niedriger Temperatur gegart.

Vorteile der Sous-Vide-Technik für Fisch

Da die Quellen keine detaillierte Gartemperatur für diesen spezifischen Lachs nennen, muss auf die allgemeinen Prinzipien der Sous-vide-Garung zurückgegriffen werden, die in der kulinarischen Literatur etabliert sind. Für Lachs ermöglicht diese Methode: 1. Gleichmäßige Garung: Der Fisch gart von außen nach innen gleichmäßig, ohne dass der Rand trocken wird, während das Innere noch roh ist. 2. Feuchtigkeitsbewahrung: Da der Fisch in seinem eigenen Saft gart, bleiben wertvolle Proteine und Fette erhalten, was zu einer butterzarten Konsistenz führt. 3. Exakte Temperaturführung: Man kann den Lachs auf einen Kernwunschgrad bringen (z.B. 45–50 °C für medium), der in einer Pfanne schwer zu erreichen ist.

Das Rezept erwähnt am Ende, dass ein Esslöffel geklärte Butter über den Lachs gegeben wird. Geklärte Butter (Butter, bei der Milchproteine und Wasser durch Erhitzen getrennt wurden) hat einen höheren Rauchpunkt und ein reines, nussiges Aroma, ohne zu verbrennen. Sie dient hier als Finisher, der Glanz verleiht und den Geschmack abrundet.

Der gebeizte Lachs: Tradition trifft auf Innovation

Während der sous-vide Lachs für moderne Technik steht, repräsentiert der gebeizte Lachs eine uralte Konservierungs- und Zubereitungsmethode, die in der Brasserie Colette (Tim Raue) neu interpretiert wird.

Die Chemie des Beizens

Das Rezept für gebeizten Lachs verlangt 300 g frisches Lachsfilet, 250 g Zucker und 250 g Salz. Dieses Verhältnis von 1:1 Zucker zu Salz ist klassisch. Die Quellen nennen eine Beizezeit von 3,5 Stunden. * Salz: Durch Osmose wird Wasser aus dem Fischgewebe gezogen. Gleichzeitig diffundiert Salz in den Fisch. Dies entzieht Bakterien das Wasser und konserviert, aber es verändert auch die Proteinstruktur (Denaturierung), wodurch das Muskelfleisch fest und durchsichtig (lachsrot) wird. * Zucker: Balanciert die Salzigkeit aus und fördert durch Karamellisierung später eine leichte Bräunung, falls der Fisch erhitzt wird (hier nicht der Fall). Er sorgt für die typische "süße" Note des gravlax.

Das Einwickeln in Frischhaltefolie während des Beizens ist essenziell, um die Flüssigkeit am Fisch zu halten und eine gleichmäßige Reaktion zu gewährleisten.

Die Kapern-Speck-Vinaigrette: Eine gewagte Kombination

Die Vinaigrette aus Bauchspeck, Estragonessig, Schalotten, Gemüsefond und Kapern ist das Herzstück dieses Gerichts. Die Quelle beschreibt die Zubereitung detailliert: 1. Schmoren des Specks: Speck und Schalotten werden fein gewürfelt und in Olivenöl angeschwitzt. Das Ausbraten des Specks gibt Fett und Röstaromen ab. 2. Ablöschen: Der Estragonessig reduziert die Hitze und löst die Bratrückstände (Fond) von der Pfanne. Essig ist sauer und verleiht der Vinaigrette die nötige Säure. 3. Reduktion: Die Zugabe von Gemüsefond und Zucker, gefolgt vom Köcheln, dient der Eindickung und Konzentration der Aromen. Das Abkühlen lässt die Emulsion stabilisieren. 4. Einlage: Kapern (sauer, salzig, nussig) und Kerbel (ein Kräuter, das an Anis erinnert) werden untergehoben.

Die Kombination von Fisch und Speck (Pork & Fish) ist in vielen Kulturen tabuisiert, kulinarisch aber eine "heilige Dreieinigkeit" aus Fett, Säure und Umami. Der Speck liefert das rauchige, fettige Aroma, das den öligen Lachs ergänzt, während die Kapern und der Essig das Fettigkeitsgefühl durch Säure durchbrechen.

Kritische Quellenbewertung

Die Informationen zu den Rezepten stammen aus Quellen, die explizit auf Tim Raue als Urheber verweisen (Source 1: "Dieses Rezept wurde uns freundlicherweise von Tim Raue zur Verfügung gestellt"; Source 2: Blogbeitrag über das Buch "Tim Raue – Rezepte aus der Brasserie Colette"). Source 2 gibt an, dass es sich um das Buch des Callwey Verlags handelt, was auf hohe Verlässlichkeit schließen lässt. Allerdings gibt Source 2 auch zu, Rezepte leicht angepasst zu haben (z.B. Verdopplung der Speckmenge, Weglassen von Kerbel/Estragon im Vergleich zum Original). Für die exakten Mengenverhältnisse im Originalrezept ist daher Source 2 weniger verlässlich als Source 1, das direkter von Tim Raue zu stammen scheint. Source 3 bestätigt die Qualität der Verlagsbücher und die Authentizität der Rezepte.

Rezepte im Detail

Nachfolgend die Rezepte, wie sie in den Quellen dargestellt werden, strukturiert für die Anwendung.

Rezept 1: Ikarimi Lachs mit Tomatenperlen und Estragoncreme

Basierend auf Source 1.

Zutaten (Zusammenstellung aus den Arbeitsschritten): * Tomatenpüree (für Sud und Perlen) * Xanthan (zum Binden) * Reisessig, Cornish Sea Salt, Zucker (für Sud) * Gelatine (für Geleemantel) * Kokospüree, Speisestärke, Estragon, Grüner Tabasco, Grüne Chillisauce (für Creme) * Ikarimi Lachs * Geklärte Butter * Atzina Kresse

Zubereitung:

  1. Tomatensud:

    • Tomatenpüree über Nacht in einem Tuch abhängen.
    • Den ablaufenden klaren Sud auffangen.
    • Sud mit Xanthan leicht binden und mit Reisessig, Cornish Sea Salt und Zucker abschmecken.
    • Den im Tuch verbliebenen Tomatensatz aufbewahren.
  2. Tomatenperlen:

    • Alle Zutaten (vermutlich Tomatensatz und Gewürze) mischen und zu einer glatten Creme rühren.
    • Mithilfe eines Spritzbeutels in Kugelsilikonformen (Ø ca. 1 cm) füllen.
    • Einfrieren.
  3. Geleemantel:

    • Das Tomatenwasser (der Sud) aufkochen und Gelatine einrühren.
    • Die gefrorenen Tomatenperlen mit einem Löffel mehrmals kurz in das heiße Tomatengeleebad tauchen.
    • Auf ein Blech setzen.
  4. Estragoncreme:

    • Estragon kurz blanchieren und in Eiswasser abschrecken.
    • Kokospüree aufkochen und mit Speisestärke zu einem dicken Pudding abbinden.
    • Estragon gut ausdrücken und mit dem Kokospudding mixen, bis eine glatte Creme entsteht.
    • Mit Cornish Sea Salt, Grünem Tabasco und Grüner Chillisauce abschmecken.
    • In eine Spritzflasche füllen.
  5. Anrichten:

    • Drei Tomatenperlen in einen tiefen Teller setzen.
    • Jeweils einen Punkt Estragoncreme aufspritzen und mit einem Blatt Atzina Kresse belegen.
    • Ein Stück Ikarimi Lachs auf den Teller neben die Perlen legen.
    • Einen Esslöffel geklärte Butter darüber geben.
    • Mit 3 Esslöffel Tomatensud angießen und servieren.

Rezept 2: Gebeizter Lachs mit Kapern-Speck-Vinaigrette

Basierend auf Source 2.

Zutaten (für ca. 2–3 Personen): * 300 g frisches Lachsfilet (gute Qualität) * 250 g Zucker * 250 g Salz * 100 g Bauchspeck * 100 ml Estragon-Essig * 50 g Schalotten * 50 ml Olivenöl * 50 ml Gemüsefond * 50 g Kapern * 25 g Zucker (zusätzlich für Vinaigrette) * 30 g Kerbel * Walnussbrot

Zubereitung:

  1. Beizen:

    • Zucker und Salz vermischen.
    • Das Lachsfilet auf Frischhaltefolie geben und rundum mit der Mischung bedecken.
    • Eng einwickeln und auf einem Teller für 3,5 Stunden in den Kühlschrank stellen.
  2. Vinaigrette:

    • Bauchspeck und Schalotten fein würfeln.
    • In Olivenöl anschwitzen.
    • Mit Estragonessig ablöschen.
    • Zucker zugeben, mit Gemüsefond aufgießen, kurz köcheln und abkühlen lassen.
    • Kapern und den Großteil des Kerbels hacken.
    • Kapern und Kerbel unter die Speck-Mischung geben.
  3. Fertigstellung:

    • Den Lachs aus der Beize nehmen und abwaschen.
    • In möglichst dünne Scheiben schneiden.
    • Mit der Vinaigrette bepinseln und auf einem großen Teller ausbreiten.
    • Mit restlichem Kerbel verzieren.
    • Walnussbrot (in dünne Scheiben geschnitten und aufgetoastet) dazu reichen.

Fazit zur Brasserie-Küche zu Hause

Die dargestellten Rezepte zeigen, dass die Küche von Tim Raue, wie sie in der Brasserie Colette praktiziert wird, zwar anspruchsvoll ist, aber klaren Logiken folgt. Das Gelingen hängt von der Qualität der Zutaten und der Disziplin bei der Einhaltung der Zubereitungsschritte ab.

Besonders hervorzuheben ist die Komplexität im Kleinen: Die Tomatenperle ist nicht nur eine Dekoration, sondern ein Konzentrat aus Sud, Gelee und Creme. Der gebeizte Lachs wiederum beweist, dass die Kombination von Fisch und Speck durch die Balance von Fett und Säure (Essig, Kapern) zu einem harmonischen Gesamtbild führt. Beide Gerichte stehen exemplarisch für die moderne europäische Küche, die Tradition (Beizen, Vinaigrettes) mit Innovation (Sphärisierung, exakte Garung) verbindet.

Schlussfolgerung

Die Rezepte für Ikarimi Lachs und gebeizten Lachs nach Tim Raue bieten Einblicke in die Methodik einer Sterne-Küche, die im Brasserie-Format auftritt. Die Verwendung von Techniken wie dem Abtropfenlassen von Tomatenpüree zur Klärung, dem Einfrieren von Cremes für die Sphärisierung und dem exakten Beizprozess unterlines die Bedeutung von Präzision im kulinarischen Handwerk. Für den Hobbykoch ergeben sich daraus Anregungen, klassische Zubereitungen wie die Tomatensauce oder den gebeizten Lachs neu zu denken und durch technische Verfeinerungen zu verbessern. Die Quellen belegen, dass diese Rezepte authentische Wiedergaben der Speisekarte der Brasserie Colette sind, wobei Source 1 (FusionChef) die technisch reinere Anleitung für den modernen Ansatz (Sous-Vide/Gelee) liefert, während Source 2 den klassischen Ansatz (Beizen/Vinaigrette) mit persönlichen Anpassungen beschreibt. Beide Wege führen zu einem hochwertigen kulinarischen Ergebnis.

Quellen

  1. FusionChef.de - Ikarimi Lachs Sous Vide
  2. Übersee-Mädchen - Gebeizter Lachs Brasserie Colette
  3. Gourmet-Blog - Tim Raue Rezepte aus der Brasserie

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