Alte Rezepte aus dem 20. Jahrhundert – Ein Blick in die Küche der Großeltern

Einführung

Die deutsche Küche im 20. Jahrhundert spiegelt nicht nur kulinarische Entwicklungen wider, sondern auch gesellschaftliche Veränderungen, wirtschaftliche Herausforderungen und kulturelle Traditionen. In dieser Zeit wurden Rezepte nicht nur nach Geschmack, sondern oft auch nach Verfügbarkeit und Kostengünstigkeit ausgewählt. Die Diskussion um alte Rezepte, insbesondere aus Kriegszeiten und der Nachkriegszeit, ist in vielen Familien ein spannendes Thema. Oftmals werden diese Rezepte aus Erinnerungen an die Großeltern weitergegeben, wobei sie sowohl für ihre Nahrhaftigkeit als auch für ihre Einfachheit geschätzt werden.

In diesem Artikel werden Rezepte und kochtechnische Ansätze aus dem 20. Jahrhundert vorgestellt, die in der Alltagsgeschichte der deutschen Küche eine wichtige Rolle spielten. Diese Rezepte stammen häufig aus Familientraditionen oder werden aus dem Buch „Die deutsche Küche im 20. Jahrhundert“ von Rainer Horbelt und Sonja Spindler abgeleitet. Zudem werden Rezepte aus privaten Foren wie Chefkoch.de eingeschoben, die oft von Nutzern, die sich für alte Rezepte interessieren, geteilt werden.

Rezepte aus dem Kriegs- und Nachkriegszeiten

Hulliken Katulliken – Kartoffelsuppe mit Nudelteig

Ein Rezept, das in der Diskussion auf Chefkoch.de erwähnt wird, stammt aus der Zeit, in der Haushaltsgelder knapp wurden. Es handelt sich um ein altes Familienrezept namens Hulliken Katulliken, das vor allem für seine Einfachheit und Nahrhaftigkeit geschätzt wird.

Zutaten:

  • 1–2 kg Kartoffeln
  • Suppengrün
  • etwas Margarine
  • durchwachsener Speck
  • 2 Zwiebeln
  • 2 Esslöffel Mehl
  • Gemüsebrühe
  • Salz, Pfeffer, Majoran, Thymian, Kerbel oder Petersilie

Nudelteig:

  • ca. 300 g Mehl (je nach gewünschter Menge)
  • ½ – 1 Teelöffel Salz
  • so viel Wasser, dass ein knetfähiger Teig entsteht

Zubereitung:

  1. Die Kartoffeln schälen und in Würfel schneiden. In Salzwasser unter Zugabe von Suppengrün und Gemüsebrühe kochen, bis sie gar sind.
  2. Die Zwiebeln und den Speck in Würfel schneiden. Den Speck in Margarine auslassen, die Zwiebeln dazugeben und glasig dünsten.
  3. Das Mehl zum Binden hinzufügen und kurz anrösten. Dann mit Wasser ablöschen und zu den Kartoffeln geben.
  4. Die Suppe mit Salz, Pfeffer und den Gewürzen abschmecken.
  5. Für den Nudelteig Mehl mit Salz vermengen. Wasser zugeben und zu einem knetfähigen Teig verarbeiten. Den Teig dünn ausrollen und in Rauten schneiden.
  6. Die Nudeln einzeln in die Suppe geben und kurz ziehen lassen.
  7. Optional können Würstchenscheiben hinzugefügt werden, um das Gericht weiter zu veredeln.

Anmerkung:

Dieses Rezept ist ein klassisches Beispiel für die Notrezepte der Kriegs- und Nachkriegszeit. Es wird beschrieben, dass es günstig und sättigend ist, wobei die Zutaten oft aus dem eigenen Haushalt stammen. Ein weiterer Vorschlag ist, die Kartoffeln mit grünen Bohnen zu kombinieren, was dem Gericht zusätzlich Geschmack und Nährwert verleiht.

Falsche Leberwurst

Ein weiteres Rezept aus dem Kriegszeiten-Bereich, das in den Forumseinträgen erwähnt wird, ist die falsche Leberwurst. Es handelt sich hierbei um ein Ersatzgericht, das aus den verfügbaren Zutaten zubereitet wurde.

Obwohl das konkrete Rezept nicht vollständig genannt wird, kann anhand der Beschreibung ein allgemeiner Ansatz formuliert werden:

Zutaten:

  • durchwachsener Speck
  • Kartoffeln
  • Leinöl
  • Zucker
  • Brot

Zubereitung:

  1. Speck in kleine Würfel schneiden und in Leinöl braten.
  2. Die Kartoffeln ebenfalls in Würfel schneiden und mit in die Pfanne geben.
  3. Zucker zugeben und alles vermengen.
  4. Das Gericht wird auf Brot serviert.

Dieses Gericht ist ein gutes Beispiel dafür, wie im Kriegszeiten-Kontext Ersatzlebensmittel und improvisierte Rezepte entstanden, um den Nährbedarf zu decken.

Lebensmittelersatz und improvisierte Rezepte

Im 20. Jahrhundert, insbesondere während der Kriegs- und Nachkriegszeit, waren viele Lebensmittel nicht mehr leicht verfügbar. Dies führte dazu, dass Haushalte kreative Lösungen suchten, um ihre Mahlzeiten zu bereiten.

Gerstenbrei und Muckefuck

Ein weiteres Rezept, das in den Forumseinträgen genannt wird, ist der Gerstenbrei. Es handelt sich um eine einfache, aber nahrhafte Mahlzeit, die aus Getreide hergestellt wird.

Zutaten:

  • Gerste
  • Wasser
  • Salz

Zubereitung:

  1. Die Gerste in Wasser einweichen.
  2. Nach einiger Zeit kochen lassen, bis sie weich ist.
  3. Mit Salz abschmecken.

Ein anderes Rezept, das genannt wird, ist der Muckefuck. Es handelt sich hierbei um ein Getränk aus Getreide, das traditionell als Ersatz für Bier oder Alkohol konsumiert wurde.

Zutaten:

  • Roggen
  • Wasser
  • Hefe

Zubereitung:

  1. Roggen mahlen und mit Wasser und Hefe vermengen.
  2. Die Mischung gären lassen und anschließend kochen.
  3. Das Getränk wird dann als warme Brühe serviert.

Ersatzkaffee aus Eicheln

Ein weiteres Rezept, das erwähnt wird, ist der Ersatzkaffee aus Eicheln. In Zeiten, in denen Kaffee nicht mehr verfügbar war, wurden alternative Getränke hergestellt.

Zutaten:

  • Eicheln
  • Wasser

Zubereitung:

  1. Eicheln rösten.
  2. Mit Wasser aufgießen und als Brühe servieren.

Kriegskochbücher und kulinarische Literatur

„Tante Linas Kriegskochbuch“

Ein weiterer Forumseintrag erwähnt das Buch „Tante Linas Kriegskochbuch“, in dem Rezepte aus der Kriegszeit beschrieben werden. Solche Kochbücher wurden oft in Haushalten verwendet, um in Zeiten knapper Ressourcen kreative Lösungen zu finden.

In solchen Kochbüchern wurden oft auch sogenannte Balkonschweine erwähnt. Es handelt sich hierbei um Haustiere, die in städtischen Haushalten gehalten wurden, um zusätzliche Nahrungsmittel zu erhalten. Der Eintrag betont jedoch, dass das Halten solcher Tiere in modernen Städten nicht immer praktikabel ist.

„Oma erzähle mir was vom Krieg“

Ein weiteres Buch, das genannt wird, ist „Oma erzähle mir was vom Krieg“. In diesem Buch werden nicht nur Rezepte, sondern auch Erinnerungen an die Kriegszeit gesammelt. Es ist ein guter Einblick in die kulinarische und soziale Situation der damaligen Zeit.

Ein Beispiel aus dem Buch ist die Erwähnung, wie Adelheid eine Suppe aus einem Knochen für die ganze Woche kochte. Solche Rezepte zeigen, wie sparsam und kreativ es in dieser Zeit zubereitet wurde.

Nahrungsversorgung und Selbstversorgung

In den Forumseinträgen wird auch auf die Selbstversorgung in ländlichen Haushalten hingewiesen. Viele Familien hatten Zugang zu Tieren, die geschlachtet wurden, um Fleisch und Wurst herzustellen. Milch, Rahm, Quark, Butter und Käse wurden oft selbst hergestellt.

Beispiele:

  • Kartoffeln: Eine der wichtigsten Nahrungsquellen.
  • Grünkohl: Wurde oft in der kalten Jahreszeit gegessen.
  • Grütze: Eine Beilage aus Getreide.
  • Leberwurst: Ein typisches Gericht, das oft aus dem eigenen Schaf oder Rind hergestellt wurde.

Die Beiträge zeigen, dass Fleisch in solchen Haushalten selten war. Oft wurde es nur einmal im Monat gegessen. Stattdessen spielten Getreide, Gemüse und selbst hergestellte Produkte eine größere Rolle.

Veränderungen im Getreidepreis

Ein weiterer Forumseintrag erwähnt, dass früher günstige Getreidesorten wie Dinkel heute teurer sind als Weizen. Dies zeigt, wie sich die Verfügbarkeit und der Preis von Lebensmitteln im Laufe der Jahrzehnte verändert haben.

Ursachen:

  • Veränderte Anbauverfahren
  • Erhöhte Nachfrage
  • Veränderte Ernährungsgewohnheiten

Diese Veränderungen haben dazu geführt, dass viele Rezepte, die einst günstig und einfach zu zubereiten waren, heute mehr Aufwand und Kosten erfordern.

Rezepte für besondere Anlässe

Im Buch „Die deutsche Küche im 20. Jahrhundert“ wird auch auf Luxusrezepte eingegangen, die für besondere Anlässe wie Geburtstage oder Feiern verwendet wurden. Ein Beispiel ist der Kalter Hund, ein pikantes Gericht, das mit Mandeln und Cocktailkirschen verziert werden kann.

Ein weiteres Rezept ist die Grilletta, eine Art gefüllte Schnitzel, die in der Nachkriegszeit sehr beliebt war.

Zutaten (Grilletta):

  • Kalbsfilet
  • Schinken
  • Schlagsahne
  • Eigelb
  • Petersilie
  • Salz, Pfeffer

Zubereitung:

  1. Kalbsfilet mit Schinken umwickeln.
  2. Mit Schlagsahne, Eigelb und Petersilie vermengen.
  3. Das Gericht servieren.

Technologische Veränderungen in der Küche

Ein weiteres Thema, das im Buch angesprochen wird, ist die Entwicklung von Küchengeräten, die den Haushalt revolutioniert haben. Geräte wie der Backofen, die Mikrowelle oder die Kaffeemaschine haben die Art und Weise verändert, wie Gerichte zubereitet werden.

Ein weiteres Beispiel ist das Unternehmen Dr. Oetker, das in dieser Zeit eine wichtige Rolle spielte. Es bot präparierte Backmischungen und andere kochfertige Produkte an, die den Alltag der Haushaltsherrinnen erleichterten.

Kritische Betrachtung

Trotz der reichhaltigen Rezepte und Geschichten gibt es in einigen Quellen auch kritische Bemerkungen. So wird im Buch „Die deutsche Küche im 20. Jahrhundert“ bemängelt, dass das Kapitel über die 80er- und 90er-Jahre recht schwach ausgefallen ist. Zudem wird kritisiert, dass das Register und die Quellenangaben fehlen, was die Nachvollziehbarkeit der Informationen erschwert.

Schlussfolgerung

Die deutsche Küche im 20. Jahrhundert ist ein Spiegelbild der gesellschaftlichen Entwicklungen und Herausforderungen der Zeit. Sie zeugt von Kreativität, Improvisation und dem Streben nach Nahrungsmitteln, unabhängig davon, ob diese knapp oder reichlich vorhanden waren. Rezepte aus der Kriegs- und Nachkriegszeit sind nicht nur kulinarische Leckerbissen, sondern auch historische Dokumente, die uns die Lebensumstände vergangener Generationen näherbringen.

Die Rezepte, die in diesem Artikel vorgestellt wurden, sind nicht nur in ihrer Herstellung einfach und nahrhaft, sondern sie vermitteln auch einen Einblick in die Alltagsgeschichte der deutschen Küche. Sie zeigen, wie Familien und Haushalte mit den Mitteln, die ihnen zur Verfügung standen, Mahlzeiten bereiteten, die sowohl nahrhaft als auch lecker waren.

Ob es um Kartoffelsuppen, improvisierte Gerichte aus Ersatzlebensmitteln oder Luxusrezepte für besondere Anlässe geht – die Rezepte aus dem 20. Jahrhundert sind ein wertvolles Erbe, das uns bis heute inspiriert und lehrt, mit dem Umgang mit Ressourcen und der Kreativität in der Küche.

Quellen

  1. Rezepte aus und nach dem Krieg

Ähnliche Beiträge