Klassische Rezepte aus der Oma-Küche – Traditionelle Köstlichkeiten aus Jossgrund und dem Ruhrgebiet

Die kulinarische Tradition von Omas und Opas hat sich über Generationen hinweg bewahrt und wird heute von jungen Hobbyköchen und professionellen Köchen gleichermaßen geschätzt. In den Rezepten, die von Omas weitergegeben werden, steckt nicht nur Geschmack, sondern auch ein Stück Heimat, Nostalgie und Familienbindung. In den letzten Jahren hat es eine wachsende Bewegung gegeben, diese Rezepte aufzustöbern, aufzubereiten und weiterzugeben – sei es in Form von Kochbüchern, Fernsehsendungen oder regionalen Projekten. Ein solches Projekt ist das Buch „Mit Oma am Herd“, das Rezepte aus dem Jossgrund im Spessart sammelt und bewahrt. Ebenso hat Melvin Flor aus dem Ruhrgebiet ein Kochbuch veröffentlicht, das die Rezepte seiner Großeltern aufzeichnet und verewigt. Diese Rezepte sind nicht nur lecker, sondern oft auch einfach umzusetzen und ideal für die heimische Küche. Im Folgenden werden die Hintergründe dieser Rezeptprojekte, einige konkrete Rezepte und deren Zubereitung sowie die kulturelle und emotionale Bedeutung solcher Rezepte näher betrachtet.

Ein Projekt aus dem Spessart: „Mit Oma am Herd“

„Mit Oma am Herd“ ist ein Kochbuchprojekt aus dem Jossgrund, einem Ort im Spessart, das durch die Zusammenarbeit von Stefanie Korn und Nadine Müller entstanden ist. Das Buch wurde 2015 veröffentlicht und ist 2016 mit dem Gourmand World Cookbook Award in der Kategorie „Kulinarisches Erbe“ als bestes deutsches Kochbuch ausgezeichnet worden. Insgesamt hat das Buch 188 Seiten und ist im CoCon-Verlag erschienen. Die Rezepte stammen aus der Region und spiegeln die regionalen Zutaten sowie die Kochtraditionen der Omas wider. Viele Rezepte entstanden aus der Notwendigkeit, Lebensmittel zu verarbeiten, und stehen somit für die Idee der Resteverwertung, was heute in Zeiten von Lebensmittelverschwendung besonders relevant ist.

Die beiden Autorinnen, Stefanie Korn und Nadine Müller, sind befreundet und stammen beide aus dem Jossgrund. Nadine ist Ernährungswissenschaftlerin und arbeitete vor ihrer Elternzeit bei einer Krankenkasse. Stefanie beschäftigte sich ebenfalls mit regionalen Kochtraditionen. Gemeinsam haben sie die Rezepte aus der Region gesammelt, fotografiert und in ein Buch eingefügt, das nicht nur kulinarische, sondern auch emotionale Werte vermittelt. In Interviews erwähnen sie, dass es ihnen wichtig war, die Rezepte so einfach wie möglich zu formulieren, damit sie auch für Anfänger leicht umsetzbar sind. Viele Rezepte benötigen nur grundlegende Zutaten, die in der Regel im Haushalt vorhanden sind.

Ein weiteres wichtiges Merkmal des Buches ist seine visuelle Aufmachung. Die Rezepte sind wunderschön fotografiert und werden durch Landschaftsaufnahmen der Region ergänzt. So entsteht nicht nur ein Kochbuch, sondern auch ein visuelles Erlebnis, das die Leser in die Welt der Omas entführt.

Ein Rezept aus dem Buch: „Omas Käsekuchen“

Ein Beispiel für ein Rezept aus dem Buch ist der „Omas Käsekuchen“, der in der Fernsehsendung „Mit Herz am Herd“ vorgestellt wurde. Der Käsekuchen setzt sich aus drei Teilen zusammen: einem Mürbeteig, einer Quark-Creme und einem Blaubeer-Ragout. Die Zubereitung erfolgt in mehreren Schritten, wobei der Mürbeteig vorab geformt und gebacken werden muss, bevor die Quark-Creme darauf gestülpt wird.

Zutaten (für vier Personen)

Mürbeteig:

  • 300 g Mehl
  • 100 g Zucker
  • 1 Bio Ei (Größe M)
  • 150 g kalte Butter
  • Prise Salz

Quark-Creme:

  • 750 g Magerquark
  • 1 Bio Zitrone
  • 100 g Zucker
  • 5 Bio Eier (Größe M)
  • 100 ml Sahne
  • 40 g Speisestärke
  • 1 Messerspitze Vanille

Blaubeer-Ragout:

  • 200 ml Johannisbeerschorle
  • 1 EL Zucker
  • 1 TL Stärke
  • 100 g Blaubeeren
  • 100 g Himbeeren

Zubereitung

  1. Mürbeteig herstellen:
    Alle Zutaten für den Mürbeteig in eine Schüssel geben und gut durchkneten, bis ein geschmeidiger Teig entsteht. Den Teig zu einer Kugel formen, leicht flach drücken und in Klarsichtfolie für ½ Stunde in den Kühlschrank legen. Den Backofen auf 200 Grad vorheizen. Den Teig in eine Backform legen und dabei einen schönen Rand formen. Mit einer Gabel mehrmals einstechen. Das Ganze für 10 Minuten blind vorbacken.

  2. Quark-Creme zubereiten:
    Die Hälfte der Zitronenschale fein abreiben und die Zitrone auspressen. Die Eier trennen. Alle restlichen Zutaten in eine Schüssel geben und mit dem Schneebesen gut verrühren. Nacheinander die Eigelbe hinzufügen und das Eiweiß separat mit dem restlichen Zucker zu einem leichtem Eischnee aufschlagen. Den Eischnee vorsichtig unterheben.

  3. Blaubeer-Ragout kochen:
    Für das Ragout Johannisbeerschorle, Zucker und Stärke in einen Topf geben und aufkochen lassen. Die Blaubeeren und Himbeeren hinzufügen und leicht köcheln lassen, bis die Früchte weich sind. Die Masse leicht abschrecken und vor dem Servieren über die Quark-Creme streuen.

Der Käsekuchen ist ein typisches Beispiel dafür, wie Omas Rezepte nicht nur schmecken, sondern auch einfach umzusetzen sind. Die Zutaten sind alltäglich und leicht zu beschaffen, die Zubereitung ist schrittweise und nachvollziehbar. Zudem kann der Käsekuchen sowohl als Dessert als auch als Tischkäse serviert werden.

Traditionelle Rezepte aus dem Ruhrgebiet: „Bergmannsherz und Omas Herd“

Ein weiteres Projekt, das Omas Rezepte bewahrt, ist das Kochbuch „Bergmannsherz und Omas Herd“ von Melvin Flor aus dem Ruhrgebiet. Melvin, der aus Duisburg stammt, wollte verhindern, dass die Rezepte seiner Großeltern in Vergessenheit geraten. Seine „Omma“, wie sie im Ruhrgebiet liebevoll genannt wird, kochte Gerichte wie Frikadellen, die Teil der regionalen kulinarischen Tradition sind. Melvin sammelte nicht nur Rezepte, sondern auch die damit verbundenen Erinnerungen und Geschichten seiner Familie. So entstand ein Kochbuch, das nicht nur Rezepte enthält, sondern auch die Lebensgeschichten der Familie Flor erzählt.

Ein typisches Rezept aus dem Buch ist das der Frikadellen, die in der Ruhrgebietsküche ein Aushängeschild sind. Die Zubereitung ist einfach, die Zutaten sind alltäglich und die Gerichte können gut mit anderen Speisen kombiniert werden. Melvin betont, dass die Rezepte nicht nur zum Kochen, sondern auch zur Erinnerung dienen – wenn die Gerichte gekocht und gemeinsam gegessen werden, fühlt man sich der Familie näher.

Emotionale und kulturelle Bedeutung von Oma-Rezepten

Die Rezepte, die in solchen Kochbüchern und Projekten weitergegeben werden, tragen nicht nur geschmackliche, sondern auch emotionale Werte. Sie verbinden Generationen miteinander und bewahren kulinarische Traditionen, die im Alltag oft verloren gehen. In einem Interview erwähnte Nadine Müller aus dem „Mit Oma am Herd“-Projekt, dass es ihr wichtig war, zu zeigen, dass es nicht unbedingt teure Zutaten oder aufwendige Geräte braucht, um leckere Speisen zuzubereiten. Viele Rezepte aus Omas Küche sind sogar besonders sparsam und nutzen Lebensmittelreste, was in Zeiten von Lebensmittelverschwendung eine besondere Relevanz hat.

Auch Melvin Flor betont, dass das Kochen mit Omas Rezepten eine Form der Erinnerung ist. Wenn man ein Gericht zubereitet, das man als Kind immer bei der Oma gegessen hat, kehrt die Oma quasi in die Küche zurück. Diese emotionale Verbindung zwischen Essen und Erinnerung ist ein Grund, warum Oma-Rezepte so wertvoll und bedeutungsvoll sind.

Kritik an Oma-Rezepten – Eine berechtigte Diskussion?

Obwohl Oma-Rezepte oft mit Nostalgie und Liebe verbunden sind, kann es durchaus sinnvoll sein, sie kritisch zu betrachten. In einem Interview erwähnte Rainer Klutsch, Autor des Kochbuchs „Am Herd meiner Oma“, dass es durchaus berechtigt sei, Rezepte zu überarbeiten oder zu verbessern. Oma-Rezepte sind oft nicht auf die heutigen Ernährungsstandards abgestimmt und enthalten manchmal mehr Fett, Zucker oder Salz als heute empfohlen wird. Zudem können die Mengenangaben oder Zubereitungsschritte unklar sein, was es schwierig macht, die Gerichte exakt nachzukochen.

Klutsch betont, dass es nicht um Kritik an der Oma geht, sondern darum, Rezepte zeitgemäß zu überarbeiten, ohne den ursprünglichen Geschmack zu verlieren. In seinem Buch hat er beispielsweise einige Rezepte seiner Oma Edith überarbeitet, um sie für die heutige Zeit passender zu machen. Allerdings gab es dabei auch Herausforderungen, da nicht immer klar war, ob die Anpassungen dem ursprünglichen Geschmack entsprachen.

Fazit: Oma-Rezepte als Brücke zwischen Vergangenheit und Gegenwart

Oma-Rezepte sind mehr als nur Rezepte – sie sind eine Verbindung zu der Vergangenheit, ein Stück Heimat und eine Quelle von Inspiration für die heutige Küche. Die Projekte „Mit Oma am Herd“ und „Bergmannsherz und Omas Herd“ zeigen, dass es wichtig ist, solche Rezepte zu bewahren und weiterzugeben. Sie tragen nicht nur Geschmack, sondern auch Erinnerungen und Emotionen mit sich. Zudem sind viele dieser Rezepte einfach umzusetzen, sparsam und ideal für den Alltag. Obwohl es durchaus berechtigt ist, Oma-Rezepte kritisch zu betrachten und bei Bedarf anzupassen, bleibt ihre emotionale und kulturelle Bedeutung unbestritten.

Die Rezepte aus Omas Küche sind also nicht nur kulinarische Kostbarkeiten, sondern auch emotionale und kulturelle Erinnerungen. Sie verbinden Generationen, bewahren Traditionen und erzählen Geschichten. In einer Zeit, in der vieles schnelllebig und vergänglich erscheint, sind solche Rezepte ein wertvolles Gegenstück – sie bleiben, auch wenn die Oma nicht mehr da ist.

Quellen

  1. Mit Oma am Herd: Rezepte aus Jossgrund im Spessart
  2. Omas Käsekuchen – Mit Herz am Herd
  3. Mit Oma am Herd – Spessart Tourismus
  4. Spessart Tourismus – Mit Oma am Herd
  5. Kochbuch Ruhrgebiet – WDR
  6. Kochbuch von Rainer Klutsch

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