Die verlorene Kunst der Kirschpfanne: Ein traditionelles Rezept aus der DDR-Zeit

Die Kirschpfanne ist mehr als nur eine Süßspeise. Es ist ein kulinarisches Relikt jener Zeit, in der Gerichte aus vermeintlichem „Abfall“ neue Bedeutung erhielten und aus der Not die Kunst der Kreativität entstand. Besonders in der ehemaligen DDR wurde mit einfallsreichen Lösungen ausgenutzt, was ansonsten als wertlos galt – vor allem alte Brötchen, die niemand mehr essen wollte. Heute dient diese Speise als Nostalgie-Genuss und zugleich als Beispiel für nachhaltiges Kochen. Die Kirschpfanne, in manchen Regionen auch als Kirschmichel, Kärscheblotzer oder Körschmichl bekannt, ist ein traditioneller Ofenauflauf, der aus einfachen Zutaten ein wahrhaftiges Genusserlebnis zaubert. Mit saftigen, entsteinen Kirschen, einer butterartigen, leicht gewürzten Creme aus Milch, Eiern und Brot und einem goldenen, knusprigen Rand erinnert sie an die herzliche Küche der Großeltern. In diesem Artikel beleuchten wird gemeinsam mit den Quellen die Geschichte, Zubereitung und Besonderheiten dieser Speise im Detail.


Ursprung und historischer Hintergrund: Von der Notwendigkeit zur Kreativität

Die Entstehung der Kirschpfanne ist eng mit der Wirtschafts- und Lebenswirklichkeit der ehemaligen DDR verknüpft. In jenen Jahren war es nicht selbstverständlich, dass jedermann regelmäßig Obst und Backwaren zur Verfügung hatte. Besonders im Herbst, wenn die Kirschenzeit ihren Höhepunkt erreichte, war es eine Freude, frische oder eingelegte Sauerkirschen zu genießen. Doch die Kirschen waren teuer, und die Ernte war oft nur kurzfristig verfügbar. In Kombination mit der hohen Zahl an verfallenen oder alten Brötchen, die man aus Vorräten nicht wegschmeißen wollte, entstand eine kulinarische Verbindung, die die Ressourcen optimal genutzte.

Die Quellen bestätigen, dass es sich bei der Kirschpfanne um ein „Original-DDR-Rezept mit Seltenheitswert“ handelt. Es war keine zeitgenössische Erfindung, sondern eine hausgemachte Lösung, die aus der Not die Pflicht machte. So wurde beispielsweise in Quelle [1] ausdrücklich betont, dass es sich weder um einen Kuchen noch um ein klassisches Backwerk handelt, sondern um ein reines Auflauffleisch aus alten Brötchen, Milch und Kirschen. Die Verwendung von Milch, Butter, Eiern und Zuckergewürzen war in der DDR nicht selbstverständlich, aber durch die Verwendung von Resten wurde die Verschwendung minimiert.

Die Bezeichnung „Kirschmichel“ deutet auf die regionale Verbreitung in Teilen Deutschlands, vor allem im sächsischen Raum, hin. Laut Quelle [5] ist der Begriff „Kirschmichel“ beispielsweise in der unteren Hälfte Deutschlands, insbesondere ab der Mitte, verbreitet. Die vielen Namen wie Kärscheblotzer, Körschmichl oder Kirschenjockel deuten auf eine regionale Verwurzelung hin, die bis in das 19. und frühe 20. Jahrhundert reicht. Diese Vielzahl an Bezeichnungen zeigt, dass die Speise nicht erst seit der Wende entstand, sondern Teil der regionalen Küche war.


Die Zutaten: Was ist in der Kirschpfanne drin?

Die Zutaten für eine klassische Kirschpfanne sind bewusst einfach und schlicht gehalten – eine weitere Besonderheit der Speise. Die Grundzutaten sind meistens jene, die im Haushalt ständig zur Verfügung standen: alte Brötchen, Milch, Butter, Eier, Zucker, Gewürze und natürlich Kirschen. Die genaue Zusammensetzung unterscheidet sich geringfügig zwischen den Quellen, was auf regionale Abweichungen hindeutet.

Vergleich der Zutatenmengen aus den Quellen

Zutat Quelle [1] Quelle [2] Quelle [3] Quelle [4] Quelle [5]
Alte Brötchen 5 Stück (ca. 200 g) 4–6 Scheiben Brot 4–6 Stück (ca. 200 g) 4 Stück (ca. 200 g)
Milch 1/2 Liter 30 ml 1/2 Liter 300 ml
Butter 50 g 20 g 25 g 40 g 50 g
Eier 2 Stück 2 Stück 2 Stück 2 Stück
Zucker 60 g 1–2 EL (ca. 50 g) 1 TL 50 g
Kirschen (entsteint) 500 g 600 g 300 g 500 g 370 g (Abtropfgewicht)
Backpulver 1 Messerspitze 2 TL
Vanillezucker 1 Päckchen 1 Päckchen
Gewürze (Zimt, Zitronenschale) Zimt, Zitronenschale (1/2), Vanillezucker Lebkungsgewürz oder Zimt, Zitronenschale Zitronenschale (1/2), Vanillezucker Zimt, Zitronenschale, Salz
Sonstiges Kakao, Rosinen, Pflaumenmus (als Tipp) Grieß, Speisestärke Semmelbrösel, Butter

Die Daten zeigen eine deutliche Abweichung bei einigen Zutaten. Besonders auffällig ist die Verwendung von Grieß in Quelle [3], was auf eine sächsische Variante hindeutet. In Quelle [5] dagegen fehlen Gewürze wie Zimt oder Zitronenschale, während sie in anderen Quellen enthalten sind. Dies legt nahe, dass es mehrere regionale Varianten der Kirschpfanne gibt, die sich durch die verwendeten Gewürze, die Art der Brotverarbeitung oder die Art des Backens unterscheiden.

Besonders wichtig ist die Verwendung von „altbackenen“ oder „altem Brot“. In mehreren Quellen wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass die Brötchen nicht frisch sein dürfen – sondern dass sie „altbacken“ sind, um die richtige Masse zu bekommen. Die Alterserscheinung führt dazu, dass das Brot mehr Flüssigkeit aufnimmt und somit eine feste, buttrige Masse entsteht. Zu frische Brötchen würden dagegen durchweichen und die Masse zerfallen.


Die Zubereitung: Ein gemeinsamer Nenner bei allen Rezepten

Obwohl sich die Zutatenmenge unterscheidet, lassen sich die Schritte zur Zubereitung der Kirschpfanne in mehreren Schritten zusammenfassen, die in allen Quellen nahezu identisch sind.

Schritt 1: Brot vorbereiten

Die Grundlage der Kirschpfanne ist stets die Vorbereitung der Brötchen. In allen Rezepten wird empfohlen, die Brötchen in warme Milch einzeweichen. Quelle [1] und [4] beschreiben beispielsweise, dass die Brötchen „ausreichend lange“ in Milch getränkt werden sollen, damit sie die Flüssigkeit aufsaugen, aber nicht triefen dürfen. Die Menge an Milch schwankt zwischen 300 ml und 500 ml, wobei die Menge an Milch je nach Brötchensorte und Alter variieren kann. Quelle [5] betont dies ausdrücklich: „Je nachdem wie alt und trocken sie sind, saugen sie weniger oder mehr Milch auf.“

Wichtig ist zudem, dass die Milch warm ist, damit die Brötchen besser aufquellen. In einigen Rezepten wird auch auf die Verwendung von Kaffee statt Milch hingewiesen (Quelle [2]), was auf eine abweichende Variante hindeutet, die möglicherweise aus der Zeit der Knappheit stammt.

Schritt 2: Masse herstellen

Die Herstellung der Masse erfolgt meist in mehreren Schritten. Zunächst wird die Butter mit Zucker, Vanillezucker und gegebenenfalls Zimt oder Zitronenschale geschlagen. Anschließend werden Eigelb, ggf. Kakao oder Backpulver hinzugefügt. In manchen Rezepten wird auch Backpulver genutzt (Quelle [4] und [5]), um die Masse aufzubacken und aufzubewahren. In anderen Quellen fehlt es dagegen völlig – was darauf hindeutet, dass es entweder auf traditionelle Art hergestellt wird oder dass die Backpulverzusammensetzung nur eine Variante darstellt.

Das Eiweiß wird in mehreren Rezepten getrennt und steif geschlagen. Dies dient der Befestigung der Masse und sorgt für eine leichtere, luftige Konsistenz. In einigen Rezepten wird der Eischnee direkt in die Masse gerührt, in anderen wird er in mehreren Schritten untergehoben.

Schritt 3: Backen

Die Backzeit und -temperatur unterscheiden sich ebenfalls je nach Quelle. Die meisten Rezepte empfehlen eine Backtemperatur zwischen 160 °C und 200 °C. Die Backdauer reicht von 35 Minuten (Quelle [3]) bis hin zu 60 Minuten (Quelle [1]). Die Unterschiede lassen sich durch verschiedene Backverfahren erklären: In einigen Fällen wird auf der Ober- und Unterhitze gebacken, in anderen auf Heißluft oder einfach nur auf Oberhitze.

Besonders auffällig ist die Empfehlung aus Quelle [3], bei der die Kirschpfanne zuerst bei 200 °C gebacken und dann auf 250 °C erhöht wird, um die Oberfläche knusprig und goldbraun zu machen. Dieses Verfahren sorgt für ein gutes Auseinanderarbeiten von Rand und Innen, was die Konsistenz verbessert.

Schritt 4: Servieren und Kombinieren

Die Kirschpfanne kann sowohl warm als auch kalt serviert werden. In mehreren Quellen wird betont, dass die Speise am besten nach dem Abkühlen geschnitten werden kann, da sie sonst „nicht richtig fest“ ist (Quelle [3]). Dies ist ein wichtiger Hinweis: Je nachdem, wie lange die Masse durchzieht, wird sie fester. Deshalb ist es sinnvoll, die Kirschpfanne vor dem Schneiden mindestens 30 Minuten auskühlen zu lassen.

Zum Servieren wird meist Vanillesoße oder Vanille-Eis verwendet. In einigen Quellen wird auch auf Fertigprodukte hingewiesen, um Zeit und Aufwand zu reduzieren (Quelle [5]). Eine besondere Variante ist die Verwendung von Kirschsauce, die aus dem Saft der entsteinen Kirschen hergestellt wird und mit Speisestärke eindickt (Quelle [3]).


Die kulinarische Vielfalt: Regionale Unterschiede und Kombinationen

Obwohl die Kirschpfanne als regionales Gericht gilt, gibt es innerhalb Deutschlands mehrere Varianten, die sich in Zutaten, Zubereitungsart und Aussehen unterscheiden.

Die sächsische Variante: Mit Quark und Grieß

Quelle [3] beschreibt eine abweichende Variante, die in Sachsen beheimatet zu sein scheint. Stattdessen von einer Butter-Ei-Masse wird hier eine Masse aus Quark, Grieß und Eiern verwendet. Die Kirschen werden in die Mitte gelegt, und es entsteht eine Art „Pfannenauflauf“, der eher einer Creme ähnelt. Die Zugabe von Grieß und Quark verleiht der Masse eine feste, aber schmelzende Konsistenz, die an eine Käsekuchen- oder Quarkauflauf-Struktur erinnert.

Die Kirschsauce, die aus dem Saft der Kirschen hergestellt wird, ist ein weiterer besonderer Punkt. In dieser Variante wird der Saft gesondert aufgefangen und mit Speisestärke zu einer cremigen Sauce verarbeitet. Dieser Schritt fehlt in anderen Rezepten, was auf eine höhere Verfeinerung hindeutet.

Die bunte Variante: Mit Kakao, Rosinen und Gewürzen

Quelle [2] bietet eine abweichende Variante, die auf den Namen „Kirschmichel“ zurückgeht. In diesem Rezept wird Bohnenkaffee anstelle von Milch verwendet, um das Brot zu tränken. Dies ist eine Erfindung, die auf knappen Vorräten in der ehemaligen DDR basiert. Stattdessen von Milch wird Kaffee verwendet, der ebenfalls eine flüssige Masse liefert, aber einen leicht bitteren, würzigen Ton verleiht.

Darüber hinaus werden Rosinen, Kakao, Vanillesoßenpulver und Lebkungsgewürz verwendet. Diese Kombination erzeugt ein intensives Aroma, das an Weihnachtsgebäck erinnert. Besonders auffällig ist die Verwendung von „Lebkugengewürz“ statt reines Zimt, was auf eine regionale Variante hindeutet.

Die klassische Variante: Ohne Backpulver, aber mit Eischnee

In Quellen [1], [4] und [5] fehlt das Backpulver, stattdessen wird auf den Eischnee gesetzt, der für Halt und Volumen sorgt. Die Verwendung von Eiweiß, das zu einem festen Eischnee geschlagen wird, ist eine klassische Backmethode, die in vielen Rezepten verwendet wird. In der Kirschpfanne dient es dazu, die Masse aufzubauen, ohne dass Backtreibmittel nötig ist.

Besonders wichtig ist hierbei, dass der Eischnee vorsichtig unter die Masse gehoben wird, um die Luftzellen nicht zu zerstören. Eine falsche Handhabung führt zu einer harten, gummiartigen Konsistenz.


Nährwerte und Gesundheit: Ist Kirschpfanne gesund?

Da die Quellen weder genaue Nährwerte noch Angaben zu Kalorien, Fett oder Kohlenhydraten liefern, ist eine genaue Bewertung der Gesundheitseigenschaften nicht möglich. Allerdings können wir aus den Zutaten Schlußfolgerungen ziehen.

Die Kirschpfanne ist eine süße Speise, die reich an Zucker, Eiern und Milchprodukten ist. Die Verwendung von Butter, Butter und Milch ergibt eine hohe Menge an gesättigten Fettsäuren. Die Verwendung von Eiern und Milch erhöht zudem den Eiweißanteil, was die Nährstoffdichte erhöht.

Die Kirschen sind reich an Antioxidantien, Vitamin C und Ballaststoffen. Besonders Sauerkirschen enthalten Melatonin, was den Schlaf fördern kann. Allerdings ist der Anteil an Kirschen in der Kirschpfanne gering, da sie meist nur als Belag dienen.

Insgesamt ist die Kirschpfanne ein Genuss, der eher gelegentlich verzehrt werden sollte. Für Menschen mit Zucker- oder Milchunverträglichkeit ist sie nicht geeignet. Auch bei hohem Blutzuckerspiegel oder Übergewicht ist Vorsicht geboten.


Tipps und Empfehlungen: So gelingt die Kirschpfanne

Um die Kirschpfanne nach Omas Art erfolgreich herzustellen, gibt es mehrere Tipps, die in den Quellen erwähnt werden.

  1. Alte Brötchen verwenden: Je älter die Brötchen sind, desto besser saugen sie die Milch auf. Zu frische Brötchen werden matschig.
  2. Milch nicht zu warm: Die Milch sollte zwar warm sein, aber nicht heiß, damit die Eier nicht stocken.
  3. Eiweiß trennen und schlagen: Das Eiweiß sollte mit einer Prise Salz zu einem festen Eischnee geschlagen werden. Ohne Salz kann es nicht richtig steif werden.
  4. Gut durchmischen: Besonders bei der Verwendung von Mandeln (Quelle [1]) oder Grieß (Quelle [3]) ist Vorsicht geboten – die Masse muss gut durchgerührt werden, um Klumpen zu vermeiden.
  5. Backofen vorheizen: Ohne vorgeheizten Ofen wird die Kirschkuchen nicht gleichmäßig gebacken.
  6. Auskühlen lassen: Die Kirschpfanne sollte mindestens 30 Minuten auskühlen, bevor sie geschnitten wird. Andernfalls reißt sie auseinander.
  7. Sauce nach Belieben: Die Verwendung von Kirschsauce (Quelle [3]) oder Vanillesoße (alle Quellen) verbessert das Aroma deutlich.

Fazit: Eine Speise, die über die Zeit hinausgeht

Die Kirschpfanne ist mehr als nur eine Süßspeise. Es ist ein Symbol für Rücksichtnahme, Kreativität und Nachhaltigkeit. In einer Zeit, in der Lebensmittel oft verschwendet werden, zeigt der altbackene Brötchen- und Kirsch-Auflauf, wie aus scheinbarer Abfallproduktion ein kulinarisches Meisterwerk entstehen kann. Die Vielzahl an Namen – von Kirschmichel bis Kärscheblotzer – zeigt die tiefe Verwurzelung in der regionalen Küche.

Die Unterschiede zwischen den Rezepten verdeutlichen, dass es keine „eine“ Kirschpfanne gibt. Jede Region hat ihre eigene Variante, abgestimmt auf die verfügbaren Zutaten und Traditionen. Ob mit Quark, mit Grieß, mit Kaffee oder mit Kakao – letztlich ist es die Kombination aus Knusprigkeit, Süße und Säure, die sie auszeichnet.

Für Eltern und Erzieher ist die Kirschpfanne ein wertvolles Beispiel dafür, wie man mit Kindern nachhaltig und nachhaltig kocht. Sie lernen, wie man aus Altem Neues schafft, wie man auf Ressourcen achtet und wie man mit einfachen Zutaten ein wahrhaft köstliches Gericht herstellt. Und wer weiß – vielleicht entsteht gerade in der Küche ein neues Familienrezept, das in 50 Jahren genauso beliebt ist wie jenes von Oma.


Quellen

  1. Küchenchaotin – Sächsische Kirschpfanne mit Quark und Honig
  2. Kraut und Rüben – Kirschmichel wie von Oma
  3. Was wir lieben – Sauerkirschpfanne Rezept
  4. Gourmet-Magazin – Kirschpfanne
  5. Emma kochte einfach – Kirschmichel von Omi

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